Energiewechsel

Mayen: Kabale und Liebe trifft auch heute noch ins Mark

Pressemeldung vom 16. Januar 2017, 14:38 Uhr

Erinnern Sie sich? Die allererste Festspielsaison der Mayener Burgfestspiele startete mit dem Schiller Klassiker „Kabale und Liebe“, inszeniert vom damaligen Intendanten Hans-Joachim Heyse. Jetzt, nahezu dreißig Jahre später, steht das Hauptwerk des „Sturm und Drang“ wieder auf dem Spielplan. Diesmal inszeniert der renommierte Regisseur Rüdiger Pape das mitreißende Stück. Intendant Daniel Ris hat sich mit ihm über den Klassiker ausgetauscht. Kannst Du Dich daran erinnern wie es war, als Du das Stück zum ersten Mal gesehen hast?

Ich habe das Stück in mindestens drei verschiedenen Inszenierungen über Jahre verteilt gesehen. Es hat mich jedes Mal sehr bewegt. Dieses Aneinandervorbei- und nicht-offene-Reden der Figuren. Der Standesdünkel. Und dieses statische völlig unflexible Denken und Handeln sind kaum auszuhalten. Man möchte eigentlich ständig dazwischenrufen und eingreifen. Alle Figuren sind so unglaublich Ich-bezogen und verbohrt. Aber genau darin liegt die ungeheure Energie und Spannung der Geschichte.

Was macht KABALE UND LIEBE zum Klassiker?

Allein beim Lesen gerät man schon in eine Art Sog, eine Unruhe und Leidenschaft, die nur Texte hervorrufen können, die eine menschliche Wahrheit verhandeln. Es geht um Generationenkonflikte, Idealismus vs. Rationalismus, Macht vs. Liebe, Arm vs. Reich und einen gnadenlosen, zerstörerischen Egoismus. Das alles gab es damals und gibt es heute – erstaunlich, dass wir nicht klüger geworden sind… -Und Schiller hat das in meisterhafter Sprache zu einer unglaublich dichten und aufregenden Geschichte verwoben, die immer noch ins Mark trifft.

In welcher Zeit wird die Aufführung in Mayen verortet sein – oder – ist das überhaupt wichtig?

Ein Klassiker ist zeitlos. Wir werden weder historisieren, noch mit Gewalt aktualisieren, sondern eine eigene Ästhetik suchen und finden, die Interpretationen in viele Richtungen zulässt.

Was macht den besonderen Reiz aus, KABALE UND LIEBE in der Genovevaburg als Freilicht-Theater auf die Bühne zu bringen?

Freilichttheater bedarf einer größeren Form. Es darf praller sein, bunter, manchmal auch lauter und humorvoller. Es ist dem Publikum sehr zugeneigt. Man möchte an einem lauen Sommerabend unterhalten werden, etwas erleben. Ich verstehe es als Volkstheater auf hohem Niveau. Die Figuren in KABALE UND LIEBE bieten wie man so schön sagt, dafür bestes Schauspielerfutter und die Burg ein stimmiges Ambiente.

Welche Rolle wird die Musik in der Aufführung spielen?

Luises Vater Miller ist Musikus, also Musiklehrer. Er unterrichtet unter anderem auch Ferdinand. Darum wird er auch auf der Bühne musizieren. Musik stiftet Gemeinschaft und Identität. Meine Vorstellung ist die, dass alle Figuren sich instrumental oder vokal an einem gemeinsamen musikalischen Thema versuchen. Quasi als Utopie einer funktionierenden Gesellschaft. Was das dann genau sein kann, werden wir auf den Proben herausfinden

Wie werdet ihr mit Schillers wunderbarer, komplexer und teils auch altertümlicher Sprache umgehen?

Ich liebe Sprache und die Kunst des Sprechens, also werden wir mit der Schillerschen Sprache sehr bewusst umgehen und sie nur an Stellen aktualisieren wo es das Verständnis oder die szenische Situation erfordert. Außerdem werden wir, so schmerzhaft das auch ist, das Stück kürzen, um auf eine für das Publikum angenehme Spieldauer zu kommen.

Tickets für die Burgfestspiele gibt es unter der Telefon-Nummer: 02651 / 494942 oder bei Bell Regional, Touristikcenter, Rosengasse 5, 56727 Mayen – tickets@touristikcenter-mayen.de

Quelle: Stadtverwaltung Mayen

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