Energiewechsel

Mayen: Der Mayener Wald braucht viele Freunde

Pressemeldung vom 19. Juni 2015, 08:40 Uhr

Am Freitag, dem 29. Mai 2015 folgten Stadtratsmitglieder der Einladung von Bürgermeister Schumacher zu einem Ortstermin im Mayener Hinterwald. Die Forstmannschaft freute sich auf die Gelegenheit, den politischen Vertreterinnen und Vertretern die aktuell im Stadtwald laufenden Projekte und neue Planungen vorzustellen.
Begleitet wurde dieser Besuch in Kürrenberg durch gutes Waldwetter, denn es regnete leicht. Für unseren Wald spielt aber gerade der Regen eine wichtige und damit sehr positive Rolle. Unmittelbar nach den Grußworten von Oberbürgermeister Wolfgang Treis, Bürgermeister Rolf Schumacher, Fachbereichsleiter Gerd Schlich und des Revierleiters Peter Göke startete die Exkursion, um der Vielzahl der Gäste einen möglichst umfangreichen Überblick und Gelegenheit zu aktuellen Fragestellungen aus der Politik und Wirtschaft zu geben.
Zu den Teilnehmern gehörte auch Ortsvorsteher Siegmar Stenner, der den Ortsteil Kürrenberg vertrat.

Den Auftakt bildete eine praktische Demonstration im Rahmen der derzeitig laufenden Wegeunterhaltung. Hier konnten die Gäste einen Grader (ein dreiachsiges Allradfahrzeug mit mittigem vielseitig verstellbarem Planierschild) sehen. Wegepflege stellt keinesfalls einen verzichtbaren Luxus dar, sondern, so Revierleiter Peter Göke, ist eine notwendige Werterhaltungsmaßnahme um höhere Folgeschäden und damit Folgekosten zu vermeiden. Denn, so ergänzte die Stadtförsterin Frau Molitor, die Holzkäufer kaufen nur dort Holz, wo es auch ganzjährig mittels LKW abtransportiert werden kann. Dass ein solchermaßen gepflegter Waldweg auch touristische Attraktivität und hohen Freizeitwert, etwa für Wanderer, Läufer und Reitergruppen hat, davon konnten sich die Teilnehmer zum einen selbst überzeugen und auch entsprechende Waldnutzer beobachten.
Der nächste Besichtigungspunkt zeigte eine weitere Besonderheit des Mayener Forstes, nämlich einen etwa 100jährigen Weißtannenbestand. Die Weißtanne, eigentlich ein Baum des Schwarzwaldes, der hohe Niederschläge benötigt, gedeiht hier prächtig. Auf Grund von Bemühungen der Revierleitung (der Fachleute vor Ort) ist es gelungen, die Mayener Weißtannenbestände für die forstliche Samenernte offiziell anerkennen zu lassen. Die Mitreisenden waren begeistert von den Dimensionen und der Vitalität dieser gigantischen Bäume.
Durch die Schluchten des Steinbachtales und einem damit verbundenen Einblick in die Möglichkeiten der Nutzung unserer heimischen Buchenbestände im Hinblick auf energetische (Brennholz, Hackschnitzel, Pellets…) und stoffliche Verwendung (Möbelholz, Furnierholz, Paletten Holz…) verbunden mit der Topografie des Geländes (Stadtwald Mayen 70% Steilhanglage) zeigten die Besucher Anerkennung im Hinblick auf den Einsatz der Forstmitarbeiter (Forstwirte, Waldfacharbeiter) unter solchen Bedingungen. Hier konnte anschaulich belegt werden, dass nur mit qualifizierten gut ausgebildeten Mitarbeitern ein solch bedeutendes Ökosystem (ca. 2000 Hektar stadteigener Wald rund um Mayen) nachhaltig für kommende Generationen bewirtschaftet werden kann.

An der Finnenhütte im Nitztal angekommen, erläuterte der Revierleiter den Wegebau im Hinblick auf die Sondernutzung als familienfreundlichen Radweg. Ebenso dankte er hier ausdrücklich dem Engagement der ehrenamtlichen Hüttenpaten Albert Havel und Rudolf Müller aus Nitztal für ihren unermüdlichen Einsatz im Hinblick auf Vermietung und Kontrolle der „Finnenhütte“. Nach 2,5 km Nitz aufwärts fuhr die Gesellschaft den „Wilden Seifen“ hinauf. Die bizarre Schönheit der Landschaft auf der einen Seite machte den Besuchern allerdings auch deutlich, dass es für die Forstwirte außerordentlich problematisch ist diese schwierigen Geländestrecken, hauptsächlich mit privaten Fahrzeugen zu jeder Jahreszeit bewältigen zu müssen. Dass hier noch Gesprächsbedarf besteht, zeichnete sich in nachfolgenden Gesprächen ab. An dieser Stelle ein Dank an die Kameraden der Feuerwehr für die unkomplizierte Bereitstellung des Allrad VW-Busses für diesen Waldbesuch.

Ein den Förster und auch einzelne Teilnehmer sehr bewegender Punkt war der Blick in die nach den Windwürfen neu angepflanzten Kulturen. Exemplarisch am „Denskopf“ wurde mit Blick auf Abt. 82 a die Baumartenwahl, hier Esskastanie (Marone) gemischt mit Douglasie (Pseudotsuga menziesii) rege diskutiert. Abschließend kam man überein, dass für solch eine außerordentlich große Zeitspanne getroffenen Entscheidungen, wir reden hier über 100 bis 300 Jahre, die Baumarten fachlich fundiert, aber auch visionär gewählt werden dürfen. Die im Stadtwald nur in zwei Exemplaren anzutreffende Esskastanie auf diesem offensichtlich windwurfgefährdeten Standort gemischt mit unserer Brotbaumart, der Douglasie ( zur Zeit werden über diese Baumart die höchsten Erträge erzielt) zu pflanzen , ist eine forstlich-ökologische Entscheidung. Herr Göke erläuterte, dass die Esskastanien keine Flachwurzler sind und sie somit eine größere Standfestigkeit haben, als die vorher dort stehenden Fichten (Flachwurzler). Je Hektar würden, ungeachtet der ohnehin vorhandenen Douglasiennaturverjüngung, ca. 25 Douglasienstämme im Endbestand (in 70 bis 100 Jahren) mit der Esskastanie zu erwarten sein. Neben den sachkundigen Erläuterungen seitens der auf die einzelnen Fahrzeuge verteilten Mitarbeiter während der Fahrt, besprach Bürgermeister Rolf Schumacher im Bereich des Distriktes „Fuchsnück“ den im Flächennutzungsplan angedachten Standort eventueller Windenergieanlagen. Hier, so der Bürgermeister, in deutlicher Übereinstimmung mit dem Revierleiter, ist die Zuwegung (der LKW Transport der Bauteile) ein sehr entscheidender Aspekt im Hinblick auf die Zukunft des Mayener Waldes. In Kürze soll hier in jedem Falle ein ca. 140 Meter hoher Windhöffigkeitsmessturm aufgestellt werden, der qualifizierte Ergebnisse über die im Jahreszyklus zu erwarteten Windstärken geben soll.

Vom „Schläflingskopf“ aus erläuterte Herr Göke die Bedeutung der im hiesigen Stadtwald großflächig betriebenen Mittelwaldbewirtschaftung, welche in gleicher Woche Thema einer gesonderten Bereisung des Nassauer Stadtrates war. Hier zeigte er, dass die Verbindung ökologischer Maßnahmen und ökonomischen Nutzens, erfolgversprechend umsetzbar ist. Der Mayener sagt zu seinem Wald seit Generationen „Mayener Bösch“, denn diese uralte Bezeichnung „Bösch“ für den Mittelwald zeigt die historische Dimension dieser Waldform.
Eine letzte Station war der im Landesentwicklungsplan erstmals eigens dargestellte „Rollstuhlrundweg“. Hier warb der Revierleiter um Verständnis für die im Rahmen dieses einzigartigen Projektes notwendigen Maßnahmen und unterstrich dabei die Hilfsbereitschaft verschiedener Firma z.B. der RPBL, als auch den seit Jahren gepflegten Kontakt zur Komm-Aktiv, deren Einsatz gerade bei solchen zusätzlichen Projekten von unschätzbarem Wert ist. Die aktuelle Problematik im Hinblick auf die Aufrechterhaltung dieses Rundweges bezieht sich auf den Asphaltbereich an der Nordseite des Weges als auch den angedachten Bau einer Rollstuhlfahrer gerechten Grillhütte (Inklusionshütte) im Bereich des Weihnachtsbaumgatters. Auch hier laufen weitere verwaltungsinterne Überlegungen. Herr Göke machte deutlich, dass gerade im Hinblick auf diesen Rundweg gerne Sponsoren eingebunden werden würden.
Im Abschlussgespräch hob Oberbürgermeister Wolfgang Treis deutlich hervor, dass er über die qualitative Bewirtschaftung des Stadtwaldes erfreut ist. Leider seien finanzielle Einschränkungen im Haushalt der Stadt für den Forstbereich unabwendbar. Hier ist auch künftig leider mit Sparmaßnahmen zu rechnen.
Förster Göke wies darauf hin, dass die gezeigten Ergebnisse und Waldbilder nur möglich sind durch die engagierten und fachlich hervorragend ausgebildeten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, denn nur im Team seien solche Ergebnisse zu erzielen.

Der für den Forstbereich zuständige Bürgermeister Rolf Schumacher dankte den Besuchern und den Mitarbeitern ebenfalls ausdrücklich und sagte zu, gerade dem Wald auch weiterhin besondere Aufmerksamkeit zu schenken, besonders im Hinblick auf neue betriebswirtschaftliche und verwaltungstechnische Herausforderungen und im Hinblick auf eine Zusammenarbeit des Forstes mit dem städtischen Betriebshof, wie etwa bei der Erstellung eines Baum- und eines Grünflächenkatasters, Arbeiten im Bereich Terra Vulcania und bei anderen gemeinsamen Projekten in der Stadt.

Quelle: Stadtverwaltung Mayen

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