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Lahnstein: Vor 60 Jahren: Der Sportverein Niederlahnstein kämpft in Berlin um die deutsche Amateurmeisterschaft

Pressemeldung vom 2. Juni 2016, 14:48 Uhr

Der 3. Juni 1956 kann sicherlich als einer der Höhepunkte in der Vereinsgeschichte des SV 1911 Niederlahnstein angesehen werden. An diesem Tag stand die Elf im Olympiastadion in Berlin und kämpfte gegen den Berliner Fußballclub Süd-Ring um die Deutsche Amateurmeisterschaft. Donnerstag morgens fuhr man im großen Reisebus mit 50 Personen, geschmückt mit einem großen Tuch „SV Niederlahnstein – Südwest Amateurmeister“ über Wetzlar zur deutsch-deutschen Grenze bei Eisenach und erreichte gegen 17 Uhr die Berliner Stadtgrenze. Freitags durften die Sportler eine halbe Stunde auf dem Teppichrasen des Olympiastadions trainieren.

Am Sonntag um 13.15 Uhr wurde das Spiel angepfiffen. Das Ausscheidungsspiel gehörte zu einer Doppelveranstaltung, in der anschließend Borussia Dortmund gegen Viktoria 89 Berlin in der Vorrunde um die Deutsche Vertrags-Fußballmeisterschaft spielte. Zunächst waren einige tausend Zuschauer anwesend, darunter auch rund 60 Niederlahnsteiner Schlachtenbummler. Zur Halbzeit stand es torlos 0:0. In der 60. Minute erlebten aber rund 50.000 Zuschauer, wie nach einem Freistoß durch einen Kopfball von Hans Hell Günther Mutke die Niederlahnsteiner mit 1:0 in Führung gebracht wurden.

Die Berliner Angriffe konnten immer wieder durch Mannschaftsführer Männe Böhm und die Verteidiger Kratz und Berressem abgewendet werden. Doch als Böhm verletzt wurde, konnten die Niederlahnsteiner nicht mehr verhindern, dass die Berliner ihnen überlegen wurden. In der 77. Minute fiel der Ausgleich zum 1:1 und in der 82. Minute erzielten die Berliner das Siegtor zum 2:1. Wenn man auch verloren hatte, so hatte man doch durch ein gutes und schönes Spiel die Sympathien der fairen Zuschauer erworben und erhielt bei Spielschluss Dank und Anerkennung durch minutenlangen Beifall der inzwischen 68.000 Zuschauer.

Elf grün-weiß gekleidete Niederlahnsteiner Jungen, unter ihrem Trainer Jakob Oden, hatten im Olympiastadion für die Ehre ihrer Heimatstadt und ihres Verbandes, ein großartiges Spiel geliefert (s. Foto im Stadion von links: Heinz Böhm, Willi Ody, Günther Gross, Hans Scheunemann, Hans Hell, Philipp Syre, Wilhelm Runkel, Karl Gebhard, Hubert Kratz, Karl Berressem und Günther Mutke.). Mannschaftsführer Böhm übereichte dem Gegner einige Körbe frische Erdbeeren, gesponsert vom Niederlahnsteiner Obst- und Gartenbauverein.

Der Vizemeister wurde bei seiner Heimkehr stürmisch gefeiert. Eine große Menschenmenge empfing die Spieler vor dem Rathaus. Beigeordneter Emil Knecht legte der Mannschaft ans Herz, den Ruhm der Stadt weiter hoch zu halten Viele Ortsvereine gratulierten. Der Männergesangverein dankte auf musikalische Weise, bevor im Hotel Zum Weißen Ross gefeiert wurde.

Voraussetzung für die Teilnahme am Ausscheidungsspiel in Berlin war eine Woche zuvor ein 2:1 Erfolg gegen SG Victoria Hühnerfeld, womit der SV 1911 Niederlahnstein Südwestdeutscher Amateurmeister wurde und in die 2. Division Süd-West aufstieg.

In einer Außerordentlichen Mitgliederversammlung wurde die Bildung einer Vertragsspieler-Abteilung genehmigt. Einige auswärtige Spieler wurden zur Verstärkung verpflichtet. Nach einem beachtlichen 9. Platz reichte für die zweite Saison in der 2. Liga der Sportplatz „Kränchen“ nicht mehr aus, so dass man nach Koblenz-Lützel ausweichen musste. Erst zwei Jahre später konnte der neu erbaute Rasensportplatz an der Kölner Straße (heute Standort des Fitnesscenters an der Hermsdorfer Straße) genutzt werden. 1959/60 stieg man in die Oberliga Südwest auf und spielte u. a. gegen die späteren Bundesligisten 1. FC Saarbrücken, 1. FC Kaiserslautern und Mainz 05. Nach dem Aufstieg folgten bald Abstieg und finanzielle Schwierigkeiten. 1973 fusionierte der SV Niederlahnstein mit dem SC 09 Oberlahnstein zur SG Eintracht Lahnstein.

Quelle: Stadtverwaltung Lahnstein

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