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Koblenz: Jahresbilanz 2015 Jobcenter Koblenz

Pressemeldung vom 7. Juni 2016, 15:52 Uhr

Nicht jeder konnte von günstiger Arbeitsmarktlage profitieren – Jobcenter Stadt Koblenz zieht Bilanz für 2015: Bund und Kommune investierten 63 Millionen Euro

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist günstig wie lange nicht mehr: Die Wirtschaft brummt, die Arbeitslosenzahlen sinken ? aber längst nicht je-der bekommt eine Scheibe vom Kuchen ab. Das ist ein Fazit, das sich aus der Jahresbilanz 2015 des Jobcenters Stadt Koblenz ergibt. Und noch eins wird deutlich: Die Versorgung von Menschen, die teils schon seit Jahren auf dessen Unterstützung angewiesen sind, weil sie ihren Lebensunterhalt nicht selbst verdienen können, ist nicht preiswert zu haben ? weder für den Bund noch für die Stadt.

Mehr als 63 Millionen Euro hat das Koblenzer Jobcenter (JC) im vergangenen Jahr ausgegeben ? 41,5 Millionen steuerte der Bund über die Arbeitsagentur bei, 21,8 Millionen musste die Stadt aus dem kommunalen Haushalt bereitstellen. Knapp die Hälfte des Geldes floss als Arbeitslosen- oder Sozialgeld an durchschnittlich 9.300* Leistungsberechtigte. Hinzu kamen noch einmal gut 20 Millionen Euro für Mietzuschüsse, Erstausstattung, Beratungskosten oder sonstige Unterstützungsleistungen zum täglichen Leben. In Eingliederungsleistungen – also in solche Angebote, die es arbeitslosen Menschen leichter machen sollen, zurück ins Berufsleben zu finden – investierte das Jobcenter gut vier Millionen Euro. Mit knapp 8 Millionen Euro schlugen Personal- und Verwaltungskosten zu Buche.

Gespart hat das Jobcenter, verglichen mit dem Vorjahr, nichts. Im Gegenteil: 2014 lag das Gesamtbudget bei 59,2 Millionen Euro. Aber das habe man auch nicht ernsthaft erwartet, erklärte JC-Geschäftsführer Manfred Stein (rechts im Bild) bei der Vorstellung der Bilanz. Zum einen seien da die Flüchtlinge, deren große Welle zwar erst für die zweite Hälfte des laufenden Jahres erwartet wird, die aber in geringerer Anzahl auch schon im vergangenen Jahr im Jobcenter vorstellig wurden. Das Problem hier: Diese Menschen lassen sich in den allermeisten Fällen nicht schnell in Arbeit vermitteln, weil meist weder Sprachkenntnisse vorhanden sind, noch die Qualifikation ausreichend geklärt ist. ?Die Vermittlung von Flüchtlingen in Arbeit braucht meist einen langen Atem?, bestätigt Agenturleiter Frank Schmidt (links), nach einem halben Jahr Lotsenhaus-Erfahrung. Dennoch sei er sicher, dass der regionale Arbeitsmarkt langfristig von den nun aufgenommenen Menschen profitieren werde. ?Schon he! ute finden viele Betriebe nicht mehr das Personal, das sie dringend brauchen. Wenn Flüchtlinge diese Lücke wenigstens zum Teil schließen sollen, müssen sie aber zunächst die Fertigkeiten erwerben, die sie dazu brauchen.?

Ein weiteres Problem sind die ?Stammkunden? des Jobcenters. ?Es zeichnet sich schon länger sehr deutlich ab, dass die Vermittlung in Arbeit bei einer ganzen Reihe unserer Kunden ein sehr schwieriges und langwieriges Unterfangen ist. Bevor ernsthaft an eine Arbeitsaufnahme zu denken ist, müssen oft ganz andere Probleme gelöst werden: Das fängt bei Heranführung an den Arbeitsall-tag, beruflicher Qualifizierung oder Kinderbetreuung an und reicht über gesundheitliche Probleme, Wohnungssuche oder Schulden bis zu Alkohol-, Drogen- oder Spielsucht?, macht Stein deutlich. Nicht selten müssten gleich mehrere Hemmnisse Schritt für Schritt abgebaut werden, bevor man mit der eigentlichen Jobsuche anfangen könne. Die Folge: Die durchschnittliche Verweildauer in der Grundsicherung nimmt zu. Eine Arbeitsaufnahme sei jedoch für die Kunden des Jobcenters nicht chancenlos, betont Stein. ?2015 konnten wir insgesamt 2.075 Kunden die Aufnahme einer Beschäftigung ermöglichen. Dies ist fast ein Dr! ittel der 6.534 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten.

Dass (Langzeit-) Arbeitslosigkeit und die Abhängigkeit von Hartz IV-Leistungen nicht nur Erwachsene, sondern auch viele Kinder und Jugendliche trifft, zeigt ein Blick auf die Zusammensetzung der so genannten Bedarfsgemeinschaften, deren Zahl 2015 um knapp 200 auf 4.817 anstieg. Dahinter verbergen sich 3.032 minderjährige Kinder und Jugendliche, von denen 626 jünger als drei Jahre und 1.249 zwischen drei und zehn Jahre alt sind. Zahlen, die keinen der Verantwortlichen unberührt ließen, betonte Bürgermeisterin Marie-Theres Hammes-Rosenstein (Mitte). ?Wir investieren viel Zeit, Energie und Geld, um zu ermöglichen, dass diese jungen Menschen die gleichen Chancen haben, wie andere Kinder auch.? Dies geschehe zum einen über intensive Beratung und Unterstützung bei der Berufswahl und Ausbildung Jugendlicher, aber etwa auch über Zahlungen nach dem Bildungs- und Teilhabegesetz, nach dessen Bestimmun-gen im vergangenen Jahr rund 340.000 Euro in Zuschüsse für Schulausflüge, Schulbedarf! , Lernförderung oder Mittagsverpflegung flossen.

Einig war man sich darin, dass die beste Unterstützung betroffener Kinder aber ohne Zweifel darin besteht, ihren Eltern zu einem eigenständigen und von staatlichen Leistungen unabhängigem Leben zu verhelfen. Daran arbeite man 2016 mit Hochdruck weiter, versicherte Manfred Stein. Außerdem werde man sich wohl in der zweiten Jahreshälfte noch mehr der Integration von Flüchtlingen widmen müssen, die dann das Asylverfahren soweit durchlaufen haben, dass sie in der Region nach Arbeit suchen. ?Durch diese zusätzliche Aufgabe wird allerdings keiner unserer bisherigen Kunden vernachlässigt werden. Das können wir hier und heute garantieren. Schließlich stehen im Jahr 2016 mit 5,2 Millionen Euro 1.140.000 Euro mehr für Eingliederungsleistungen zur Verfügung als im letzten Jahr.

*Alle Zahlen sind Jahresdurchschnittswerte.

http://www.koblenz.de/r30/vc_shop/bilder/firma196/org/jahresbilanz_2015_jobcenter.jpg

Kostenübersicht http://www.koblenz.de/r30/vc_shop/bilder/firma196/160607_jc_jahresbilanz_2015_kostenuebersicht.pdf

Strukturdaten http://www.koblenz.de/r30/vc_shop/bilder/firma196/160607_jc_jahresbilanz_2015_strukturdaten_bg.pdf

Quelle: Stadtverwaltung Koblenz

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