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Bernkastel-Wittlich: Verbundkrankenhaus Wittlich bietet Opfern von Sexualstraftaten vertrauliche Spurensicherung an

Pressemeldung vom 3. Februar 2014, 15:30 Uhr

Opfer einer Sexualstraftat befinden sich körperlich und psychisch in einer schwierigen Situation und können oft nicht sofort entscheiden, ob sie Strafanzeige erstatten wollen. Wichtig ist jedoch alle Tatspuren unmittelbar nach der Tat zu dokumentieren und gerichtsverwertbar zu sichern. Geht das Opfer zur Polizei wird dieses Verfahren von Amtswegen im Rahmen einer Strafanzeige eingeleitet. Bislang bietet in Rheinland-Pfalz nur die Forensische Ambulanz in Mainz eine Spurensicherung ohne Strafanzeige.
Eine solche vertrauliche Spurensicherung nach einer Sexualstraftat wird zukünftig auch im Verbundkrankenhaus in Wittlich angeboten. Das ist das Ergebnis einer erfolgreichen Zusammenarbeit der Kriminalpolizei Wittlich, des Weißen Rings Bernkastel-Wittlich und der Gleichstellungsbeauftragten Bernkastel-Wittlich im Rahmen des Runden Tisches Eifel mit dem Verbundkrankenhaus in Wittlich.
Die vertrauliche Spurensicherung hätte beispielsweise die Ermittlungen der Kriminalpolizei in einem aktuellen Fall sehr erleichtern können wie Kriminalhauptkommissar Andreas Staib anlässlich der Vorstellung des Projekts schildert: Eine junge Frau zeigte vergangene Woche kurz nach ihrem 18. Geburtstag eine Vergewaltigung an, die bereits im August 2012 statt gefunden haben soll. Sie hatte damals entschieden, dass sie den Vorfall anzeigen will, sich aber bewusst dazu entschieden, die Tat erst nach ihrem 18. Geburtstag anzuzeigen. Sie wollte nicht, dass ihre Eltern davon erfahren. Und ihr war klar, solange sie Zuhause wohnt, werden ihre Eltern über die Post zwangsläufig auch davon informiert. Eineinhalb Jahre nach der Tat ist eine Beweisführung natürlich sehr schwierig. Hätte es schon damals das Angebot im Verbundkrankenhaus Wittlich gegeben würden heute alle damals gesicherten Beweise vorliegen und eine Verurteilung des Täters erleichtern.
„Es sind genau solche Fälle, die uns dazu bewogen haben, dieses Angebot zu schaffen“. Viele Frauen sind nach einer Vergewaltigung unsicher, ob sie Anzeige erstatten, insbesondere wenn der Täter kein Unbekannter ist. Dann ist es gut, wenn zumindest schon einmal die Beweise gesichert sind“, erläutert Landrat Gregor Eibes und die die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Gabriele Kretz ergänzt: „Jede vierte Frau wird in ihrem Leben irgendwann einmal Opfer häuslicher Gewalt, hierzu zählen auch häufig Vergewaltigungen.“
Die Dunkelziffer jedoch ist hoch. „Nach einem so traumatischen Erlebnis kann Frauen nicht zugemutet werden, dass sie nach Mainz fahren. Darum ist dieses Projekt in der Fläche so wichtig“, fordert Karl Kopf vom Weißen Ring. Erstmals im Land Rheinland Pfalz können sich Opfer von Sexualstraftaten unmittelbar an ein Krankenhaus in ihrer Nähe wenden. Im Verbundkrankenhaus in Wittlich werden alle Beweise (z.B. Sperma, Fotos von Verletzungen, Kleidung) durch eine Frauenärztin gesichert und dokumentiert. „Mit unseren Untersuchungen und Dokumentationen werden wir den hohen Anforderungen von Richtern und Anwälten gerecht, damit bei einer Anklage die Beweise auch tatsächlich von Nutzen sind“, versichert Dr. Georg Locher, der Leiter der Gynäkologie im Verbundkrankenhaus. Hierfür werden die Krankenhaus-Mitarbeiter regelmäßig geschult.
Die gesicherten Spuren werden im Institut für Rechtsmedizin in Mainz gelagert. Erst wenn eine Frau eine Anzeige erstattet entbinden sie die Ärztin von der Schweigepflicht, damit auch der Untersuchungsbericht verwendet werden darf. Die Polizei kümmert sich dann um die notwendigen Schritte. Erfolgt keine Anzeige, werden die Spuren nach fünf Jahren vernichtet.
Flyer zu diesem Angebot sind in der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich, dem Verbundkrankenhaus und in Frauenarztpraxen ausgelegt. Außerdem informiert die Internetseite www.bernkastel-wittlich.de/spurensicherung.html zu diesem Thema.

Quelle: Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich

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